Einfluss von Migration auf Studium und Arbeit




Mit Jahresbeginn leben laut Statistik Austria rund 1,14 Millionen Personen ausländischer Staatsangehörigkeit in Österreich, was einem Anteil von 13 Prozent an der Gesamtbevölkerung entspricht. Der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund betrug 20 Prozent, darunter 27 Prozent bereits in Österreich Geborene. 39 Prozent der Personen mit Migrationshintergrund stammen aus einem EU/EWR Staat und der Schweiz, 29 Prozent aus den Nachfolgestaaten Jugoslawiens (exklusive Slowenien und Kroatien) und 15 Prozent aus der Türkei. 

Rund 90.000 Studierende mit ausländischer Staatsbürgerschaft besuchten im Wintersemester 2013/2014 Hochschulen in Österreich, das entspricht 26 Prozent aller Studierenden. Davon besuchten rund 27 Prozent eine öffentliche Universität, der Anteil an den Fachhochschulen ist mit 15 Prozent etwas geringer. Die Zahl ausländischer Studierender in Österreich ist seit den 1990iger Jahren mit 20.000 Personen auf über 90.000 im Wintersemester 2013 gestiegen. 2013 waren die stärksten fünf Herkunftsländer Deutschland (29.0333), Italien (8.204), Türkei (4.114) sowie Bosnien und Herzegowina (3.324), auf Platz fünf Ungarn (2.261). In den letzten Jahren zeichnete sich laut dem Österreichen Integrationsfonds ein starker Trend der Herkunftsländer Deutschland und Türkei ab.

Studie zu Einflussfaktoren von Migration auf Studium und Arbeit

Die FH Technikum Wien präsentiert gemeinsam mit der Wiener Arbeiterkammer eine Studie zu Einflussfaktoren von Migration auf Studium und Arbeit im Rahmen einer Podiumsdiskussion.

Sprache, Kenntnis anderer Kulturen und hohe Leistungsbereitschaft – das sind die größten Potenziale von Studierenden mit Migrationsgrundhintergrund. An unserer FH weisen 27,8 Prozent der Studierenden einen Migrationshintergrund auf. Mit dieser Studie ist es gelungen, einen Einblick in ihr Spannungsfeld zwischen Erwerbstätigkeit und Studium zu gewinnen. Unser Fazit: Studierende mit Migrationshintergrund sollen gezielter unterstützt werden, um ihre Potenziale besser entfalten zu können

so FH-Prof. Priv.-Doz. Dr. Martin Lehner, Vizerektor für Lehre an der FH Technikum Wien, zu den Ergebnissen der Studie.

Von den über 800.000 AK Wien-Mitgliedern haben zwei von fünf Migrationshintergrund. Da sich immer mehr Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer höherqualifizieren möchten, sind Verbesserungen für berufstätige Studierende ein zentrales Anliegen der AK. Die Ergebnisse der Studie mit Fokus auf berufstätige Studierende mit Migrationshintergrund zeigen, dass im gesamten Bildungssystem weitere Maßnahmen zur Förderung von Potenzialen und Chancengleichheit vonnöten sind.

so Gabriele Schmid, Leiterin der AK Wien-Abteilung Bildungspolitik.

Potenziale von Migranten bleiben vielfach ungenützt

Die Studie kommt zum Schluss, dass es den „typischen“ Studierenden mit Migrationshintergrund nicht gibt. In der Podiumsdiskussion wurde klar, dass die Potenziale von Migranten im Arbeitsleben vielfach ungenützt bleiben, jedoch mit mehr Bewusstseinsbildung, Akzeptanz und Commitment positive Impulse für beide Seiten entstehen können.

„Als Organisation wollen wir sensibel sein für die vielen Lerngelegenheiten, die uns über Studierende mit einer Migrationsbiografie zuteilwerden“, so Martin Lehner in der Diskussion. Studienautorin Ao. Univ.-Prof. Dr. Annette Sprung, Institut für Erziehungs- und Bildungswissenschaft der Universität Graz, streicht hervor:

Diskriminierungserfahrungen, wie sie oft schon in der Kindheit gemacht werden, behindern eine Nutzung migrationsbiografischer Potenziale. Positive Signale und Anerkennung in konkreten Anwendungsfeldern fördern die Entfaltung einschlägiger Kompetenzen.

Laut Mag. Gabriele Schmid, Leiterin der AK Wien-Abteilung Bildungspolitik muss das ganze Bildungssystem stärker darauf ausgerichtet werden, die Potenziale der einzelnen Menschen zu fördern und die Rahmenbedingungen zu verbessern, beispielsweise durch mehr Ressourcen für Schulen mit vielen sozial benachteiligten SchülerInnen. Chancengerechtigkeit ist ein wichtiges Anliegen der Arbeiterkammer. In Österreich werden Bildungskarrieren immer noch stark vererbt, abhängig vom Einkommen des Elternhauses, vom Bildungs- und Migrationshintergrund. Ein respektvoller Umgang ist ein zentrales Thema, im Bereich der Bildung und in der Arbeitswelt.

Mag. Rudolf Bernscherer, Kapsch Partner Solutions GmbH, unterstreicht die Bedeutung der Vielfalt aus Sicht eines international tätigen Unternehmens: „Wir betrachten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Migrationshintergrund als bereichernd für unser Unternehmen, als global tätige Firma ist das Verstehen anderer Kulturen ein wesentlicher Erfolgsfaktor.“

Ing. Momir Tabakovic MSc, Absolvent und wissenschaftlicher Mitarbeiter sowie Lektor an der FH, bringt die Handlungsfelder auf den Punkt: „Studierende mit Migrationshintergrund sollen die Möglichkeit bekommen ihre Potenziale ohne Vorurteile auszuüben. Der Zugang zum Arbeitsmarkt soll nicht durch Bürokratie blockiert werden.“

Ergebnisse der Studie Technik und Migration

Im Zeitrahmen von Februar bis Juli 2015 wurden 13 qualitative Interviews mit Studierenden aus berufsbegleitenden Bachelor- und Masterstudiengängen der FH Technikum Wien geführt. Aktuelle Statistiken über ausländische Studierende verwenden den Begriff Migrationshintergrund nicht, sodass kein Rückschluss auf eine permanente Einwanderung oder auf die Studiendauer gezogen werden kann.

Diese Studie gibt mit dem qualitativen Ansatz Einblick in die Lebenswelt von Migranten der ersten und zweiten Generation. Die Ergebnisse der Studie beziehen sich auf die kulturellen und daraus folgenden persönlichen Potenziale, sowohl mögliche Diskriminierungsformen im Laufe der Ausbildung als auch im Berufsleben sowie die Herausforderungen in der Vereinbarkeit unterschiedlicher Lebensbereiche. Als Personen mit Migrationshintergrund werden Menschen bezeichnet, deren beide Elternteile im Ausland geboren wurden. Untergliedert wird in Migranten der 1. Generation (im Ausland geboren) und Migranten der 2. Generation (in Österreich geboren, aber beide Elternteile im Ausland geboren).

Download der Studie (PDF)

Foto: Fabian Orner / FHTW

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